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Bildtext: Bürgermeister Jürgen Guse verabschiedete nach verdienstvollen 46 Dienstjahren Hauptamtsleiter Joachim Schweitzer (links) in den Ruhestand
Nach 46 Dienstjahren
Bürgermeister verabschiedet Hauptamtsleiter Schweitzer
Hauptamtsleiter Joachim Schweitzer verabschiedet
Das Bräunlinger Rathaus ohne den sehr beliebten und geschätzten Hauptamtsleiter Joachim Schweitzer, daran müssen sich die Bräunlinger Bürgen nun gewöhnen. Nach 46 Jahren im öffentlichen Dienst und dabei 33 Jahre als „Ratsschreiber“, wurde „die Idealbesetzung für das Hauptamt“ wie Bürgermeister Jürgen Guse in seinen Abschiedsworten erwähnte, in den Ruhestand verabschiedet. Schon zu Beginn der Sitzung saß er im Zuschauerraum, ein ungewohnter Anblick. Zum Tagesordnungspunkt „Kindergärten“ nahm er nochmals am Ratstisch Platz. Danach skizierte Bürgermeister Jürgen Guse das Wirken von Joachim Schweitzer, ging ausführlich auf die umfangreichen Tätigkeitsfelder ein und lobte die fachlichen, sowie persönlichen Kompetenzen.
Die Rede des Bürgermeisters im Wortlaut:
„Chinesisches Sprichwort
Wenn Du eine Stunde lang glücklich sein willst, so schlafe. (nicht Büroschlaf des Beamten gemeint)
Wenn Du einen Tag lang glücklich sein willst, gehe fischen.
Wenn Du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen.
Wenn Du aber ein Leben lang glücklich sein willst, liebe Deine Arbeit.
Gerade das Letztgenannte trifft voll und ganz auf unseren Hauptamtsleiter Joachim Schweitzer zu, der. 46 Jahre lang bei der Stadt Bräunlingen beschäftigt war, 33 Jahre davon als Hauptamtsleiter. Das zeigt, dass er seine Arbeit geliebt hat und damit auch sein Tätigkeitsfeld, seine Arbeitskolleginnen und Kollegen, seinen Arbeitgeber, die Menschen dieser Stadt, seine Heimatstadt selbst und das gesamte Netzwerke, mit dem er zu tun hatte. Seine Frau war auf diese Liebe zur Arbeit nie eifersüchtig. Im Gegenteil, Sie hat das aktiv mitgetragen und ihn in seinem außerordentlich kompetenten und zeitlich aufwendigen Einsatz für die Stadt unterstützt. Ich versuche nun, eine Bilanz dieses Arbeitslebens von Herrn Schweitzer zu ziehen. Bewusst habe ich den Begriff“ versuchen“ genommen, denn aus 46 Jahren Tätigkeit kann ich nur Fragmente des beruflichen Spektrums ansprechen. Ich will mich dabei an den Inhalten eines Arbeitszeugnisses orientieren.
Gründe des Ausscheidens
Herr Schweitzer scheidet auf eigenen Wunsch und zu unserem großen Bedauern 1 Jahr vor Erreichen der regulären Alters- und Pensionsgrenze aus.
Zeitraum des Beschäftigungsverhältnisses
- 1.4.1964 bei der Stadt Bräunlingen als Verwaltungslehrling begonnen, danach Wehrdienst bei Stabskompanie Gebirgsjägerbrigade in Mittenwald
- 1.1.1968 Verwaltungsangestellter und Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst
- 1.2.1970 Ernennung zum Stadtinspektor z.A. und stv. Hauptamtsleiter
- 4.8.1972 Ernennung zum Stadtinspektor und damit Lebenszeitbeamter
- 1.1.1974 Ernennung zum Stadtoberinspektor
- 1.1.1977 Ernennung zum Stadtamtmann sowie zum Hauptamtsleiter und Ratschreiber der Stadt als Nachfolger von Franz Fritz
- 13.1.1977 Bestellung zum Standesbeamten
- 1.1.1982 Ernennung zum Stadtamtsrat
- 1.4.2004 40 jähriges Dienstjubiläum
- 1.1.2008 Ernennung zum Stadtoberamtsrat
Tätigkeitsfelder
Als Hauptamtsleiter war er zuständig für alles, was nicht von der Kämmerei oder dem Stadtbauamt erledigt wird. Wichtigste Aufgaben waren:
- Intensive und tägliche Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister
- Schnittstelle zwischen Verwaltung und Gemeinderat, wobei man am permanent gestiegenen Umfang der Sitzungsvorberichte und den Sitzungsniederschriften den Aufgabenzuwachs für Verwaltung und Gemeinderat deutlich ablesen kann.
- Zuständig für die Schulen und das Kindergartenwesen und auch hier hat sich durch unterschiedlichste Betreuungsformen der Kindergartenalltag im Laufe der Jahrzehnte total geändert.
- Verantwortlich für das Friedhofswesen und dabei bewies er die notwendige Pietät den Angehörigen der Verstorbenen gegenüber und eine einfühlsame Gesprächskultur.
- Bei den Maßnahmen der Stadtsanierung war er zuständig für die Zuschussanträge, die Beratung der Sanierungswilligen, der Anforderung der Abschlagszahlungen der Landeszuschüsse und für enge Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt und dem externen Städteplaner.
- Ebenso war Herr Schweitzer administrativ zuständig für die Maßnahmen aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum.
- Als Kilbig Organisator brachte er seine Fähigkeiten, die er auch als stv. Zunftmeister bei der Narrenzunft unter Beweis stellte, vorzüglich für die Stadt ein. Die Kilbig ist nach wie vor das größte Volksfest der Baar und zieht jedes Jahr Besuchermassen an. Er war zuständig für die Organisation der Veranstaltungen und Empfänge der Stadt und damit für den Rahmen , wie sich die Stadt nach innen und außen repräsentiert Erinnert sei in dem Zusammenhang an das erfolgreiche Stadtjubiläumsjahr (700 Jahre Stadtrechte) 2005.
- In sein Aufgabengebiet fielen auch die Bereiche des Stadtwaldes, der Jagdverpachtung, des Ordnungsamtes und der Ortspolizeibehörde und früher auch das städtische Krankenhaus Bräunlingen, das 1999 geschlossen werden musste.
- Als Standesbeamter nahm er exakt 490 Trauungen vor. Eine Evaluierung über den dauerhaften Erfolg seiner Eheschließung können wir nicht vornehmen, da uns die Scheidungsziffern nicht bekannt sind.
- Zuständig für die Zähringerkontakte, zur französischen Patenkompanie in Donaueschingen und für die Begegnungen mit Bannewitz/Sachsen
- Nebenamtlicher Geschäftsführer des Zweckverbandes Seniorenzentrums. Diese Tätigkeit erledigt er noch bis Jahresende.
- Zusammen mit unserer Museumsberaterin und dem Kulturförderverein verantwortlich für das Kelnhof Museum.
- Personalleiter für sämtliche Bediensteten der Stadt Bräunlingen
Fachliche und persönliche Kompetenzen
Pauschal kann man sagen, dass Herr Schweitzer seine herausragenden fachlichen, aber auch persönlichen Kompetenzen zum Wohl der Stadt einbrachte. Er war für den Bürgermeister und den Gemeinderat immer ein guter Ratgeber. Sein umfangreiches Fachwissen kam der Stadt zugute. Er meisterte seine verantwortungsvolle Aufgabe seit Jahrzehnten souverän und mit Bravour. Sein unerschöpfliches Wissenspotenzial zur Stadt, Geschichte und Personen ist bemerkenswert. Er hat sein Können unter 3 Bürgermeistern (Blenkle, Schneider, Guse) bewiesen. Als sympathischer Botschafter des Rathauses ist er bei der Bevölkerung sehr geschätzt und beliebt. Als Fels in der Brandung blieb er auch unter Stress, hoher Arbeitsbelastung, emotionalen Situationen und bei unqualifizierten Äußerungen im Rahmen des Publikumsverkehrs immer gelassen. Er hat nie die Contenance verloren. Überstunden waren für ihn selbstverständlich und er hat eine Vielzahl an Urlaubstagen verfallen lassen.
Aus Liebe zu seiner Heimatstadt und seiner Arbeit als Ratschreiber und Hauptamtsleiter hat er trotz seines Könnens nicht auf andere Stellenangebote reagiert. Aber er ist halt auch durch und durch alemannisch und „briilingerisch“ sozialisiert.
Gesamtbeurteilung
Er hat zur vollsten Zufriedenheit der Stadt gearbeitet. Seine Leistungen lagen weit über dem Durchschnitt. Die Stadt hatte mit ihm eine Idealbesetzung als Hauptamtsleiter.
Lieber Herr Schweitzer,
Bei der Belegschaft waren Sie ein sehr beliebter Kollege, immer ehrlich, aufrichtig, menschlich und fair. Ich selbst konnte knapp über 24 Jahre mit Ihnen zusammenarbeiten. Vom ersten Tag an haben wir uns verstanden und ich durfte Ihre Loyalität, Solidarität, großes Fachwissen und Ihre angenehme menschliche Art erfahren. Sie sind mir ans Herz gewachsen. Es verbindet mich mit Ihnen mehr als die Achtung und Respekt vor Ihrem Können. Auch als Mensch habe ich Sie immer hoch geschätzt. Sie haben viel zur vorzeigbaren Entwicklung und zum guten Image unserer Stadt beigetragen. Dafür möchte ich Ihnen sehr danken und als Geschenk der Stadt ein Gemälde der verstorbenen Malerin Frau Wehrle überreichen. Dieses Bild war Jahrzehnte in Ihrem Büro der sichtbare Wegbegleiter Ihres Berufslebens bei der Stadt Bräunlingen. Auch Ihrer lieben Frau Martha darf ich für die Akzeptanz Ihres zeitraubenden Einsatzes für unsere Stadt einen Blumenstock übergeben. Ihnen beiden wünsche ich nun einen abwechslungsreichen neuen Lebensabschnitt und eine tolle Großelternzeit und ich darf Ihnen auch außerhalb der Dienststunden im Rathaus ein lebenslanges Betretungsrecht aussprechen. .
Mit den Worten „ Sie haben viel zur vorzeigbaren Entwicklung und zum guten Image unsere Stadt beigetragen „ lobte Bürgermeister Guse das große Engagement von Schweitzer und überreichte ein Gemälde der Bräunlinger Malerin Margot Wehrle und seiner Frau Martha ein Blumengebinde.
Stadtrat Karl Müller lobte im Namen des Gemeinderates den zuverlässigen und angenehmen Partner der Bürgervertreter, der mit Herzblut bei seiner Arbeit gewesen sei. Müller hob den fairen und kompetenten Umgang mit dem Gemeinderat hervor und nannte Schweitzer „einen Gewinn für die Stadt Bräunlingen“. Er sei für viele Bereiche zuständig gewesen, die er zur vollen Zufriedenheit betreute. Müller wünschte Schweitzer für seinen dritten Lebensabschnitt viel Unternehmensgeist und freute sich auf weitere Begegnungen mit dem Jungpensionär.
Innerlich aufgewühlt zeigte sich der Neuruheständler, der auf einige prägende Ereignisse seiner Berufszeit eingíng, bei der man ab und zu auch Seelentröster oder nur Zuhörer gewesen sei. Er erinnerte an die vielen Veränderungen der letzten vier Jahrzehnte und dankte für die lobenden Worte zu seiner Verabschiedung. Schweitzer zog einige Vergleiche zur früheren Gemeinderatsarbeit mit dem Jahre 2010 und erinnerte an die Bandbreite in der man als Hauptamtsleiter die Bevölkerung begleitet. Eine prägende Zeit sei die Gemeindereform vor vielen Jahren gewesen. Etliche Aufgabenfelder fielen weg (Hallenbad, Krankenhaus) jedoch kamen auch viele neue mit viel Arbeit (Stadtsanierung, Kindergärten) hinzu. Er habe immer versucht das Beste für die Stadt zu geben. „Eineinhalb Jahre saß ich bei Sitzungen auf dem Rathaus“ sagte Joachim Schweitzer abschließend, was zeigt, dass das Rathaus zu seiner „zweiten Heimat“ geworden ist. Er wünschte allen Weggefährten der zurückliegenden Zeit viel Gesundheit, eine glückliche Hand und der Stadt einen guten Gemeindefrieden, eine positive Weiterentwicklung und eine volle Stadtkasse. Joachim Schweitzer bat den Gemeinderat, das in ihn gesetzte große Vertrauen auch auf seinen Nachfolger Jürgen Bertsche zu übertragen.
Mit einem Zitat und einer Anekdote aus seiner Wehrdienstzeit schloss Schweitzer seine Dankesworte ab und meinte “ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich darauf gefreut hat“.